Wallfahrt

Auf den Spuren Jesu und das moderne Israel

Gruppenbild in Qumran

22.10. – 29.10.2017 mit dem P- Seminar Wallfahrt aus dem Oberstufenjahrgang 2016/18.
Diese Fahrt wurde gefördert vom Bayerischen Jugendring

Reiseverlauf:

22.10: Anreise

23.10: Am See Genezareth

  • Berg der Seligpreisungen
  • Brotvermehrungskirche Tabgha: Besichtigung, Gespräch mit Pater Matthias, Besichtigung der Begegnungsstätte Beit Noah, Teilnahme an der Mittagshore
  • Primatskapelle
  • Karfanaum: Synagoge, Haus des Petrus
  • Tiberias

Unser erster Morgen im Heiligen Land begann mit einer Wanderung, die uns zum Ort der Brotvermehrungskirche führte. Dort, wo Jesus mit 2 Fischen und 5 Broten 5000 Menschen satt machte (Johannes 6), kümmerte sich Pater Matthias um uns wie ein Hirte um seine Schafe. Er zeigte uns die Priorat Tabgha der Benediktinerabtei Dormitio, die ein Pilgerhaus unterhält und mehrere Sozialprojekte betreibt.

24.10: Berg Tabor und Nazareth

  • Verkündigungsbasilika
  • Marienzentrum

Tag 2 brachte uns nach oben, auf den Berg Tabor, den Berg der Verklärung Christi. Hier nahm Christus seine göttliche Gestalt an, während Mose und Elia erschienen. Lukas erzählt, dass sich die Jünger lange nicht trauten, diese Geschichte zu erzählen. Weil aber trotzdem ans Licht kam, wie Jesus strahlend weiß wurde, zieht es heute tausende von Touristen auf den Berg. Zwar ist nicht belegt, dass der Berg der historische Ort der Verklärung ist, doch der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen.

25.10: Altstadt Jerusalem Schwerpunkt Christentum

  • Altstadt: Ölberg, Gethsemani, Via Dolorosa, Grabeskirche
  • Yehuda Markt

Der dritte Tag brachte uns nach Jerusalem und unser Reiseführer, Samuel Kahn, brachte uns die Stadt am Nachmittag näher. Die „Stadt des Friedens“, wie Rabbiner, die Bedeutung des Wortes „Jerusalem“ gerne erklären, ist für alle drei abrahamitische Weltreligionen von immenser Bedeutung und leider nicht immer so friedlich, wie es sich alle Beteiligten wünschen würden. Die Stadt pulsiert – und wird manchmal auch zum Pulverfass.

26.10: Jerusalem mit Schwerpunkt Judentum

  • Yad Vashem, Herzlberg
  • Altstadt: Armenisches Viertel, Hurva Synagoge, Geschichte des Judentums, Klagemauer

„Yad Vashem“, das heißt auf Deutsch „Ort und Name“, ist die bedeutendste Erinnerungsstätte an den Holocaust, die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden. Wir nehmen uns Zeit an diesem Tag, denn es geht vor allem um die Einzelschicksale, um die Namen der Opfer. Nach 4 Stunden haben wir uns durch die Gedenkstätte durch- und Schicksale aufgearbeitet. Am Nachmittag widmeten wir uns noch den Wurzeln der Religion und dem wichtigsten jüdischen Heiligtum, der Klagemauer. Dort steckten wir einen Zettel zu den vielen anderen und realisierten, dass die Welt nie wunschlos glücklich sein wird. „Ich gebe meinen Geist in euch, dass Leben in euch kommt“, steht am Ausgang von Yad Vashem – ein Vers der trotz allem Hoffnung macht, den Lebenden und den Toten.

27.10: Geschichte Israels

  • Herzlmuseum: Multimediashow zum Zionismus
  • Israelmuseum: Archäologie, Modell des zweiten Tempels, Schrein des Buches, Judaica und jüdische Ethnographie
  • Dormitio-Abtei: Gespräch mit Pater Elias und Abendhore

Am Morgen des 5. Tages besuchten wir das Herzl-Museum. Theodor Herzl ist der Begründer des modernen Zionismus, sein Grab liegt am höchsten auf dem Militärfriedhof Israels. Was als Traum eines einzelnen Mannes begann, ist heute Realität, die Idee des Judenstaates ist heute verwirklicht.Bevor mit dem Sabbat die vollkommene Ruhe kam, hatten wir noch eine Verabredung mit Pater Elias in der Dormitio Abtei. Es gab einen interessanten Dialog und wir waren alle sehr überrascht, wie weltoffen sich dieser gab. Danach kehrten wir zurück zum Hotel und genossen die Ruhe. Am Sabbat ist Jerusalem wie ausgestorben und wir konnten uns ausruhen für unseren letzten ganzen Tag im heiligen Land.

28.10: Bethlehem, Qumran, Totes Meer 

  • Bethlehem: Geburtskirche, Katharinenkirche, Grotten, Internationales Begegnungszentrum Dar Annadwa, Markt, Mauer, Schlüssel und Flüchtlingslager, Beit Jala
  • Qumran: Archäologische Ausgrabung
  • Tote Meer: Kalia Beach

. Im Dialog mit palästinensischen Christen wird uns klar, wie stark das Land gespalten und getrennt – in Tel Aviv entwickelt man Nanotechnologie, in Bethlehem ist die Kanalisation erst vor zehn Jahren gebaut worden. Wir sangen noch Stille Nacht an dem Ort, an dem Jesus geboren wurde und fuhren dann weiter, zum tiefsten Ort der Welt. Am Toten Meer ist ein lebendiges Treiben, wir badeten und genossen den Sonnenuntergang auf der Rückfahrt durch die Wüste des Heiligen Landes.

29.10: Tel Aviv

  • Tel Aviv: Strände, Märkte
  • Abreise

Am Tag der Abreise hatten wir noch ein paar Stunden in Tel Aviv zur Verfügung, welche wir in kleineren Gruppen nutzten. Einige genossen das gute Wetter am Strand, andere tätigten Einkäufe um ihre verbleibenden Schekel loszuwerden, der Rest suchte auf dem dortigen Markt nach Souvenirs. Pünktlich trafen wir uns dann alle am Bus um die Heimreise anzutreten.

Wir sind voller Erfahrungen zurückgekommen, voller Geschichten, traurigen und fröhlichen, von Frieden und Krieg, von Leben und Tod. Israel bringt sie alle zusammen, an einem Ort.

 Text: Friedrich Wicke, Nicolas Röver; Bilder: Florian Schuster Q12

Reflexionen der Schüler

…„Natürlich ist es kein typischer Urlaub, aber wenn man an dem Konflikt interessiert ist, der sich um dieses Land bildet und es spaltet, ist Israel eine Reise wert. Vor allem wenn man den Streit um Jerusalem verstehen will, muss man dort gewesen sein. Indem man merkt, wie nah die einzelnen Religionen in der Altstadt aufeinander liegen, kann man die immer wieder entstehenden Reibereien verstehen. Es war eine sehr bewegende, informative und aufregende Reise. …“

„… Die ersten drei Tage am See Genezareth haben mir gut gefallen. Die langen Fußmärsche machten mir nichts aus, im Gegenteil gaben sie einem sogar Zeit zum Nachdenken. Auch die Andacht abends am Seeufer fand ich sehr schön. Diese ruhige Zeit empfand ich als einen guten Gegenpol zu dem Trubel und den vielfältigen Eindrücken in Jerusalem. So hatte man während der ersten drei Tage auch Zeit etwas in sich zu gehen oder aber auch mit den Mitreisenden über tiefgründige Themen zu reden. In Jerusalem fiel mir dies schwer, da ich jeden Tag so viele neue, interessante Sachen lernte und entdeckte und insgesamt einfach von dieser Stadt überwältigt war. Ich werde nie den Moment vergessen, als wir oben auf dem Ölberg angekommen waren und ich das erste Mal meinen Blick über das Stadtbild Jerusalems schweifen lassen konnte. In der Sonne glänzte die goldene Kuppel des Felsendoms, unter mir lagen die weitläufigen, steinernen Gräber der jüdischen Bevölkerung und parallel rief ein Muezzin zum Mittagsgebet. Ich war sprachlos. Dieses Zusammentreffen dreier teilweise so unterschiedlichen Religionen und Kulturen faszinierte mich jeden Tag aufs Neue. ….“,

„… Außerdem fand ich Orte wie beispielsweise den Shuk in Jerusalem und Tel Aviv sowie in Bethlehem besonders eindrucksvoll. Hier war für alle Sinne etwas dabei: Verschiedene Gerüche von Speisen oder Gewürzen, unterschiedliche Essenstände die oft recht preiswert waren, die vielen farbenfrohen Waren und Stände sowie das laute Getümmel und die Rufe der Marktschreier. …“

„…Einer meiner Wünsche, nachdem Israel als Reiseziel feststand, war es, einen eigenen Eindruck über das Leben vor Ort zu erhalten. Ich für meinen Teil hatte nur das mediengeprägte Bild von Israel, und vor Allem das von Jerusalem als einem Ort vor Augen, an dem die verschiedenen Kulturen und Religionen nur in einem sehr schwierigen Verhältnis miteinander auskommen. Dieser Eindruck hat sich durch unsere Reise nicht vollständig bestätigt. … Es war eine einzigartige Erfahrung, an den Orten gewesen zu sein, von denen die Bibel berichtet. Das macht die Erzählungen von Leben und Wirken Jesu und den von ihm gewirkten Wundern greifbarer und ermöglicht das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. …“

Ausgewählte Bilder:

Weitere Reflexionen:

“ …Für mich war unsere Wallfahrt eine Gelegenheit das Heilige Land auf eine besondere Art und Weise kennenzulernen. Abseits von den üblichen Touristenpfaden durch das Land, die wohl eher der Abschreckung als Nähe zu Gott demonstrieren, fand ich vor allem in den Gesprächen in der Dormitio Abtei oder auch in Bethlehem die Möglichkeit das Heilige Land zu erfahren. Auch bei unserer kleinen „Wanderung“ am ersten Tag durch die galiläische Landschaft hatte ich das Gefühl auf einer besonderen Reise zu sein. Dieser Augenblick war für mich ein Schlüsselerlebnis auf der Pilgerreise (im Sinne eines Fußwegs zu Gott). Doch nicht nur die christlichen Aspekte unserer Wallfahrt haben es mir sehr angetan. Auch die Gespräche mit Israelis und Palästinensern waren für mich sehr spannend. …“

„… Nach der Rückkehr braucht es erstmal ein paar Tage, um das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten. Was bleibt, ist einmal die Anerkennung der guten Lebenssituation in Deutschland, die vor allem im Hinblick auf die Palästinenser wertzuschätzen ist. Die Reise ermöglichte mir als gläubigen Katholiken dem Wirken, der Geburt und dem Tod und der darauffolgenden Auferstehung Jesu näher zu kommen, nicht nur physisch. Jede Reise bildet. Im Hinblick auf unsere Wallfahrt kann man dies mit voller Überzeugung behaupten. …“