Chronik – Dr. Ernst Bodensteiner

Dr. Ernst Bodensteiner (1924-1934)

Dr. Ernst Bodensteiner In der Interimszeit vom 1. Februar bis 30. April 1924 hatte Dr. Hans Bauernschmidt das Maximiliansgymnasium geleitet, bevor Dr. Ernst Bodensteiner, Rektor am Gymnasium in Dillingen, zum neuen Leiter unserer Schule berufen wurde. Dieser war kein Unbekannter am „Max“, hatte er doch bereits in den Jahren 1893 und 1896 als Assistent und von 1919 bis 1921 als Konrektor an unserer Schule gewirkt.
Wissenschaftliche Anerkennung errang Bodensteiner im Bereich der Archäologie, speziell als Kenner des antiken Theaters, weshalb er zum korrespondierenden Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts ernannt wurde.
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde in feierlicher Weise unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung der 75. Geburtstag der Schule gefeiert. Mit dieser Jubiläumsfeier war ein Studiengenossenfest für ehemalige Lehrer und Schüler verbunden, das in der Folge zu einer ständigen Einrichtung der Schule wurde und die Identifikation der ehemaligen Schüler mit ihrem Gymnasium entschieden förderte. Auch die Schule zog Nutzen aus diesem Vorgänger der „Vereinigung der Freunde des Maximiliansgymnasiums“, da die Ehemaligen beträchtliche Geldsummen für die Schülerunterstützungskasse spendeten.
Im Schuljahr 1925/26 nahm Bodensteiner, der sich aus pädagogischen Gründen für die Koedukation von Jungen und Mädchen stark gemacht hatte, zum ersten Mal Mädchen auf. Engagiert setzte er sich – und zwar mit Erfolg – auch für den Erhalt des 9-jährigen Gymnasiums ein. Verhindern konnte er allerdings nicht die Erhöhung des jährlichen Schulgeldes von ursprünglich 45 über 90 und 140 auf 200 Mark im Jahre 1931, was nach Ansicht der Direktorenvereinigung die Gefahr einer Standesschule bedeutete. In das letzte Amtsjahr fiel die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Nun mussten auch am Maximiliansgymnasium politische Gedenktage gefeiert und die staatsbürgerliche Gesinnung der Abiturienten geprüft werden.
Am 1. Juli 1934 trat Dr. Bodensteiner wegen Erreichens der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand, den er allerdings nur wenige Jahre genießen konnte. Bereits am 12. Dezember 1936 verstarb er und wurde auf dem Münchner Waldfriedhof begraben.

1923
  • Jahresbericht nicht erschienen
  • 31.1.1924: Rektor Oberstudienrat Dr. Landgraf geht in Ruhestand
  • Bis 30.4.1924 führt Oberstudienrat Dr. Bauernschmidt die Amtsgeschäfte
  • 1.5.1924: Oberstudiendirektor Dr. Bodensteiner, bisheriger Rektor am humanistischen Gymnasium in Dillingen, wird neuer Schulleiter
  • Offiziant und Sekretär Stephan Kleinhenz geht nach 30 Jahren in Pension; Nachfolger wird Joseph Stoll vom Theresiengymnasium, der dieses Amt 24 Jahre lang bis zum Jahre 1948 bekleidet
  • Dr. Hans Bauernschmidt wird ans Kultusministerium berufen; Max Leitschuh wird Seminarlehrer für die alten Sprachen
  • 12.7.1924: Klopstock-Feier
1924
  • 15.11.1924: 75-Jahr-Feier „unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit“ mit Festgottesdiensten in der kath. Karmeliterkirche und in der ev. Markus-Kirche sowie einem Festakt in der Turnhalle
  • Dr. Kronseder gründet „dramaturgisch-musikalische Schülervereinigung“
  • Viele Vorträge, Theateraufführungen, Film- und Theaterbesuche
  • Erster Sanitätskurs
  • Schülerspeisung für 180 Schüler mit ¼ l gekochter Vollmilch und einer Doppelsemmel
  • Kein Konrektor mehr
  • Englisch ersetzt Französisch als 3. Fremdsprache
1925
  • Seminare für alte Sprachen, Deutsch und Geschichte
  • Zum ersten Mal 2 Referendarinnen (Antonie Jungkunz und Viktoria Karg)
  • Dr. Heim wird ans Kultusministerium berufen
  • Der spätere Stadtschulrat Anton Fingerle ist Schüler der 4a, der Fernsehpfarrer der 60er und 70er Jahre, Adolf Sommerauer, der 6a
1926
  • Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch und Hebräisch werden als Wahlfächer angeboten
  • Erstmalig Entlassung eines Schülers durch Elternbeirat/Lehrerrat
  • 19.11.1926: Dr. Wecklein verstirbt im Alter von 82 Jahren; der Chor singt bei der Beerdigung im Ostfriedhof; ausführlicher Nachruf vom Ministerialdirektor des Kultusministeriums und seinem ehemaligen Kollegen Dr. Melber in den „Bayerischen Blättern für das Gymnasialschulwesen“, 63. Jahrgang (1927), H.2, S. 88-102
  • 28.4.1927: Franz Josef Strauß, der spätere bayerische Ministerpräsident wird mitten im Schuljahr als Schüler aufgenommen, erscheint aber noch nicht im Jahresbericht
1927
  • Acht Schülerinnen werden aufgenommen
  • Der spätere Kammersänger Hans Hotter macht Abitur
  • Schularzt Dr. Kronseder geht in Pension; Dr. Friedrich Ott stirbt
  • Schüler haben sieben Wandertage im Schuljahr
  • Franz (Josef) Strauß erscheint zum ersten Mal in der Klassenliste der 2a
  • Erstmals ein Musikseminar mit sieben Referendaren (Seminarlehrer STR Walter)
1928
  • Sonderfilmvorführung „Blumenwunder“ in der Filmburg
  • Die Zahl israelitischer Schüler geht von 18 (1927) über 15 (1928) auf 12 (1929) zurück
1929
  • Ludwig Voit und Maria Zinsmeister kommen als Referendare
  • Leitschuh geht nach Traunstein
  • Universitätsprofessor Dr. Kurt Huber prüft am 28.3.30 die altphilologischen Seminarteilnehmer mündlich
  • 16.11.29: 80-Jahr-Feier der Schule
  • Der am 2.12.1920 in der Schule gegründete „Verein für das Deutschtum im Ausland“ wird immer aktiver
  • Regelmäßiges Jahrestreffen der Studiengenossen im November mit Sammlung für die Schülerunterstützungskasse
  • Die Schule stellt erstmals Maximilianeer, und dann gleich zwei
1930
  • Dr. Hümmerich, Konrektor am Maximiliansgymnasium, stirbt nach 16 1/2-jähriger Tätigkeit
  • Hans Zinsmeister kommt als Referendar, Dr. Otto Büttner als Lehrer, er wird Vorsitzender des Vereins bayerischer Philologen
  • Der Elternbeirat veranstaltet erstmals Vorträge zur Berufswahl
  • Pfalzbefreiungs-Feier
  • Gedenkfeier zum 60. Geburtstag des Deutschen Reiches
  • Russischunterricht wird eingestellt
  • Das Lehrerkollegium besucht das Passionsspiel in Oberammergau
  • Aufsehenerregendes Konzert des Musikseminars
1931
  • 10.2.32: Dr. Gustaf Landgraf stirbt mit 75 Jahren
  • Seminarlehrer für alte Sprachen bzw. Deutsch: Mehler und Dietsch, kein Musikseminar mehr
  • 15.3.: Goethe-Feier der Schule zum 100. Todestag des Dichters
1932
  • Schüler Fritz Herele (9a) stirbt bei einem Skiunfall
  • Hindenburg-Feier anlässlich dessen 85. Geburtstags
  • Vaterländische Feier anlässlich der Eröffnung des Reichstages
  • Noch 9 (8) jüdische Schüler am Maximiliansgymnasium
  • Richard Jäger, der spätere Bundesjustizminister und Vizepräsident des Deutschen Bundestags, macht Abitur
1933/1934
  • 1.11.1933: Der Pedell Franz Xaver Schattenfroh tritt nach 24 Jahren Tätigkeit in den Ruhestand; Johann Weber wird neuer Schulhausoffiziant
  • 250-Jahr-Feier der Befreiung Wiens an der Schule
  • 30.1.34: Jahrestagsfeier der Berufung Adolf Hitlers an die Spitze der Reichsregierung
  • 30.6.1934: Dr. Bodensteiner geht in Ruhestand