Theater Oberstufe

Oberstufentheater

oder

„Der Mensch ist nur dort ganz Mensch, wo er spielt“ (Friedrich Schiller)

Über diesen Gedanken Schillers lässt sich trefflich philosophieren und streiten. Wo aber, wenn nicht im Theater und damit an einem Ort, an dem das Leben in seiner ganzen Fülle spielerisch erfahren, ausprobiert, reflektiert und bewusst dargestellt werden kann, hat er eine selbstverständliche Daseinsberechtigung.

In den zurückliegenden Schuljahren wurde die langjährige Theatertradition am Maxgymnasium im Bereich der Oberstufe als Wahlkurs für die 10. bis 12. Jahrgangsstufe fort-  und in jedem Jahr ein neues Stück aufgeführt. Doch weniger das Ergebnis am Ende eines längeren Schaffensprozesses macht Jahr für Jahr die „Theaterarbeit“ aus, sondern vielmehr der Weg dorthin, für jeden einzelnen Schüler bzw. Schülerin und für die Gruppe.

Im Vordergrund stehen dabei neben Grundlagen der Selbstwahrnehmung und des Körperbewusstseins bzw. der -sprache, neben Tanz und Sprechtraining insbesondere Schauspielübungen aus dem Bereich des Improvisationstheaters. Diese Form des Spiels basiert auf besonderen Grundlagen, die allesamt gut geeignet sind, Anfängern wie Fortgeschrittenen die ersten oder zweiten eigenen Schritte „auf den Brettern, die die Welt bedeuten“ zu erleichtern und eine Theatergruppe zusammenfinden zu lassen:

Da wäre z.B. die Notwendigkeit eines unbedingten Kommunizierens und Interagierens. Statt sich selbst und die eigene Idee in den Vordergrund  zu rücken, kann man eine Idee nur zusammen entwickeln. Das bedeutet nichts Anderes als die absolute Betonung des „Teamwork“, in dessen Verlauf eine Szene ohne jegliche Absprache aus der Situation heraus geboren und gleichzeitig umgesetzt wird. Damit dies überhaupt gelingen kann, müssen die „Antennen“ der Spieler, die fortwährend gleichermaßen als Sender und Empfänger fungieren, hochsensibel sein, was wiederum eine große Portion an Einfühlungsvermögen und Wachheit voraussetzt. Im Spielen miteinander, im Austausch körpersprachlicher Nachrichten sind fantasiereiche Geschenke gefragt, die sich die Spieler nicht nur gegenseitig machen sollten, sie müssen diese auch bemerken und annehmen können: Theaterspielen also als ein permanentes bewusstes kreatives Geben und Nehmen.

Außerdem gibt es da (manchmal) ja auch noch das Publikum – und das macht die ganze Angelegenheit erst richtig schwierig. Wenn irgendjemand da ist, dem man gefallen oder imponieren möchte, will man besonders gut sein, will man in der Rolle glänzen. Das hat leider aber häufiger zur Folge, dass man aus derselben fällt, weil das rechte Maß verloren geht und man sein Gegenüber „an die Wand spielt“ und damit nicht zur Entfaltung kommen lässt – Sieger und Besiegte sollten jedoch nur in ihrer jeweiligen Rolle einen festen Platz auf der Bühne haben. Sich selbst als Mensch in einer Bühnenfigur zu präsentieren, ohne sich persönlich besonders gut – und damit auch die Rolle – verkaufen zu wollen, ist eine hohe Kunst und vielleicht ein noch höheres Bildungsziel.

Wird ein Stück einstudiert, fällt die Umsetzung des eben Dargelegten unter Umständen etwas leichter, weil ein konkretes Projekt in Angriff genommen wird und in jeder Szene  jeder Figur klare Aufgaben zukommen. Der einzelnen Figur auf der Bühne  durch die eigene Person Leben einzuhauchen, in der Rollenentwicklung an Intensität zu gewinnen, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren, sich selbst letztlich in einem Schonraum bis an die eigenen Grenzen zu bewegen, all dies ist hier möglich. Zur Zeit versammeln sich jeden Mittwochnachmittag ein gutes Dutzend „Spielwütige“.

Jürgen Bader