Chronik – Dr. Ludwig Voit

Dr. Ludwig Voit (1961-1972)

Dr. Ludwig Voit Geboren am 9. November 1906 in Schweinfurt/ Unterfranken, besuchte Ludwig Voit das humanistische Gymnasium seiner Heimatstadt. Nach dem Abitur studierte er klassische Philologie, Deutsch, Geschichte und Archäologie an den Universitäten Erlangen, Berlin, Würzburg und München. Nach den beiden Staatsexamina wirkte Ludwig Voit von 1931-34 als Assistent am Seminar für klassische Philologie und alte Geschichte an der Universität München. Hier promovierte er und betrieb anschließend in Florenz Vorarbeiten für eine Habilitation über die Livius-Tradition. In den Jahren von 1929 bis 1931 absolvierte er am Wittelsbacher- und Maximiliansgymnasium seine pädagogische Ausbildung und erhielt zunächst einen kärglich bezahlten Aushilfsvertrag an der Oberschule in der Frühlingsstraße. Doch trotz glänzender Examina schien die Hochschullaufbahn in den schweren Zeiten nach der Weltwirtschaftskrise auf Jahrzehnte hinaus hoffnungslos versperrt. Doch bald schon, 1938, machte sich Dr. Voit einen wissenschaftlichen Namen als Mitherausgeber eines viel gerühmten lateinischen Unterrichtswerkes “ Das Erbe der Antike“.
Nach sechs Jahren Kriegsdienstteilnahme unterrichtete Dr. Voit als Lehrer am Wilhelmsgymnasium (u.a. Als Seminarlehrer für Griechisch) mit einem fünfjährigen Intermezzo von 1952-57 am Wittelsbacher-Gymnasium, wo er bereits ab 1954 als Seminarlehrer für Latein eingesetzt war. Bei seinem Amtsantritt 1961 steckte das Maximiliansgymnasium in einer schweren Krise: Zum ersten Mal gab es nur eine einzige schwache Anfangsklasse. Dr. Voit öffnete deshalb seine Schule für Mädchen, und schon bald konnte er wieder drei gut gefüllte 5. Klassen bilden. Auch die modernen Fremdsprachen und Naturwissenschaften förderte Dr. Voit nach Kräften durch Verstärkung des Chemie-Unterrichts und Einrichtung des Sprachlabors. Der Ausbau des Theaterraums, die Einführung der Max-Planck-Preise, das Experiment mit einem Leistungszug und das letztlich leider gescheiterte Gegenmodell unserer Schule zum geplanten Kollegstufensystem mit der Möglichkeit der Wahl von Kursthemen sind ebenfalls Zeugnisse seines rastlosen Einsatzes und seiner innovativen Ideen. Über 10 Jahre leitete Dr. Voit unsere Schule, die er bereits als Referendar kennen gelernt hatte und mit der er auch danach durch das wöchentliche Faustballspiel der Lehrerschaft im Schulhof verbunden geblieben war.
Nebenamtlich hielt er an der LMU lateinische Lektürekurse. Als Mitglied des Vorstands des Deutschen Altphilologen-Verbandes, als Mitherausgeber der Zeitschrift „Gymnasium“ und als stellvertretender Vorsitzender der „Deutsch-griechischen Gesellschaft München“ hatte er gute Gelegenheit und eine wirksame Bühne, die Belange des humanistischen Gymnasiums in der Zeit der APO und der Schüler- und Studentenunruhen in Folge der 68er- Demonstrationen zu verteidigen. Geschickt und mit Humor (nicht nur mit seinen berühmten „Fastenpredigten“ in Versform beim traditionellen Aschermittwochs-Fischessen) kanalisierte er die kritischen Kräfte an seiner Schule in konstruktive Bahnen, an der Rolf Pohle Abitur machte und auch andere Mitglieder der späteren RAF, wie Andreas Baader und Christoph Wackernagel unterrichtet wurden. „Unbeirrt von zeitbedingten Modeströmungen in Bildungspolitik und Schulwirklichkeit, offen für das wertvolle Neue, ohne die Grundsätze gediegenen Lehrens und Erziehens je aus dem Auge zu verlieren“, wird Dr. Voit als Lehrer, Wissenschaftler, Schulbuchautor und Schulleiter anlässlich seiner Pensionierung vom zuständigen Ministerialbeauftragten Dr. Felix Ammer gewürdigt.
Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand aus Altersgründen blieb Dr. Voit noch wissenschaftlich und schriftstellerisch tätig und als Vorsitzender der „Vereinigung“ bis zum 150-jährigen Jubiläum seiner alten Schule verbunden, die in festlichem Rahmen seinen 85. Und 90. Geburtstag gebührend im Lehrerzimmer feierte, u.a. Mit einer Ausstellung seiner wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten.

1960
  • Dr. Lindemann wird am 1.11.1960 pensioniert; ab 1.4. 1961 folgt ihm Dr. Ludwig Voit als Schulleiter
  • Zum ersten und einzigen Mal gibt es am „Max“ zwei Stellvertreter des Schulleiters: Erich Freund und Bernhard Winterstetter
  • Tod von OStR Hans Scharold, dem Sportseminarlehrer von 1934-48 am Maximiliansgymnasium
  • 1- bis 2-mal wöchentlich gibt es evangelische Morgenandachten, z.T. Von Schülern gestaltet
  • Erfolge der Fotogruppe beim Wettbewerb der Bundesbahn
  • Beschluss der Lehrerkonferenz: In Zukunft fahren nur noch zwei Jahrgänge ins Skilager, die 8. und 9. Klassen (bisher 9.-11. Klassen)
  • Konzentrationstag der Abschlussklasse zum Thema „Das Ende des Jahrhunderts“ mit Aufführung von Hofmannsthals „Der Tor und der Tod“
  • Schulspielgruppe unter Leitung von Dr. Tschech ist im Schulspielkeller Gastgeber für den Anregungstag der 2. Münchner Schul-Spiel-Woche
  • Aufführung vom „Lieben Augustin“ im Hof der alten Universität Würzburgs auf Einladung der Ackermanngemeinde
  • Einführung des Max-Planck-Preises
  • Erste Tagung der SMV in der Evangelischen Akademie in Tutzing
  • Gedenkstunde der SMV zum 17. Juni
  • Hans Rudolf Schneider, Schüler der 11. Klasse, erhält in Turin den Preis des Deutschen Rats der europäischen Bewegung im Aufsatzwettbewerb
  • Treffen der Absolvia 1911
1961
  • Erstmals nur eine Eingangsklasse
  • Wahl des ersten Personalrats: 1. Vorsitzender: Bernhard Winterstetter
  • Andreas Schwerd, ehemaliger Schulleiter des „Max“, erhält Komturkreuz des Sylvester-Ordens mit Stern
  • Erstmals geschlossene Schulfilmvorführung für alle Klassen in den Rathauslichtspielen
  • Max-Planck-Tag mit Fotoausstellung „Ehemalige – heute“
  • Teilnahme der Photogruppe am internationalen Schülerfotowettbewerb in Tokyo
  • Landesgremium für Schulphotographie in Bayern stiftet komplette Laborausstattung im Wert von 5200.- DM
  • Ferienkurse für Schulphotographie für Lehrer aller Schulgattungen unter der Leitung von OStR Pickel und seiner drei Mitarbeiter als Dank für die Laborausstattung
  • Die Schulbühne glänzt mit Shakespeares „Sturm“
  • Berlinfahrt der Abschlussklassen
  • 12. April 1962: erstmals Vergabe der Max-Planck-Preise an Günter Oberleitner und Hans Pache mit Vorträgen der Preisträger
  • 10./11.April 1962: Studientag der Oberstufe „Die Weltanschauung des Bolschewismus in Russland“
1962
  • Bernhard Winterstetter wird Schulleiter am Nachbargymnasium
  • Wieder Französisch-/ Lateinseminar neben Latein/ Griechisch/ Geschichte
  • Französisch erstmals Wahlpflichtfach neben Englisch in der 10. Kl.
  • Freiwilliger AK der Abiturklasse über Thomas von Aquins „De ente et essentia“
  • Geldsammlung für notleidende Deutsche in den Ostgebieten
  • Briefmarkenaktion für die Betheler Anstalten
  • Aufführung der Oper „Des Kaisers neue Kleider“
  • Handballmannschaft der Schule wird Münchner Vizemeister
  • Schulvergleichskampf Maximiliansgymnasium – Altes Realgymnasium („Max“ – „Oskar“)endet erfolgreich mit 162:146 Punkten
  • Zusammenarbeit der Schulbühne mit dem Max-Josef-Stift
  • Aufführung von Max Mells „Jeanne d‘ Arc“; zur Woche der Brüderlichkeit Eigenproduktion: „Der andere – Szenen der Weltliteratur“
  • Studientag „Freiheit und Gesetz“
  • Agora erhält Wanderpreis des Ministerpräsidenten für die beste Schülerzeitung
  • Fertigstellung des physikalischen Übungsraums
  • Ausbau des Theaterkellers
  • 1.1.1964: Stadt wird Aufwandsträger der Schule
1963
  • 10.3.1964: Schule gedenkt des 100. Todestags ihres Gründers Max II.
  • OStR Freund, der ständige Stellvertreter des Schulleiters, wird Ministerialbeauftragter von Oberfranken
  • Dr. Kugler wird neuer ständiger Stellvertreter
  • Eine „Neugestaltung des höheren Schulwesens“ wird angekündigt mit Hiobsbotschaft: Griechisch nur noch 3. Fremdsprache
  • Eine „völlig unbefriedigende Personalsituation“ moniert der Schulleiter in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik (viele Abordnungen von anderen Schulen)
  • Die Photogruppe gewinnt drei der ersten sieben Plätze im Landeswettbewerb für Schulphotographie und wird im Rathaus geehrt. Später vertritt sie Deutschland auf der internationalen UNESCO-Ausstellung in New York
  • Die Theatergruppe feiert mit der Eigenproduktion: „Der andere – Szenen der Weltliteratur“ große Erfolge in Berlin (ganze Woche Berlin als Dank)
  • Erstes Kabarett im Fasching
  • Studientag: „Kritik“
  • Zusätzlicher Chemie-Preis der Firma Gummi-Menzel
1964
  • Neue Schulordnung tritt in Kraft: Griechisch nur noch 3. Fremdsprache in Klasse 10; Chemie wird Pflichtunterricht in der 11. und 12. Klasse
  • Einrichtung des Biologieunterrichtsraums mit Vorbereitungszimmer
  • Ausbau des Fotolabors
  • Wieder werden Schülerinnen aufgenommen (11 Mädchen)
  • Anfangs großer Lehrermangel: Überbrückung durch Seminarteilnehmer
  • Erstmals Filmgruppe. Sie plant unter Leitung von Dieter Rößler einen Schulfilm für Ende 65
  • Schule erhält neue Stereo-Anlage, neuen Flügel (Steinway) und zweites Musikzimmer
  • Erstmals wöchentliche Schallplatten-Soirèe
  • Studientage „Nationalismus und Vaterland“ mit Vortrag Karl Bosls
  • „Papiergeld“ wird eingeführt
1965
  • 31.1.1966: Tod von Andreas Schwerd, dem neunten Schulleiter des Maximiliansgymnasiums von 1945 bis 1951
  • Feier „10 Jahre Maxbühne“
  • Studientage über „Einfluss der französischen Kultur“
  • 2. Platz unserer Schüler in der Schachmeisterschaft der Stadt
  • Einführung der neuen Klassenbezeichnungen: 5. – 13. Klasse
  • Schulfilmgruppe produziert einen Bericht über den Keramikkurs: „Muße am Nachmittag“
  • Wieder große Erfolge der Fotogruppe (Glückwunschschreiben von Kultusminister Huber)
  • 20 Schüler der Humboldt-Schule aus Mexiko zu Besuch
  • Anschaffung eines Schlagzeugs
  • Amtsmeister Max Adam geht am 30.9.66 in Pension. Sein Nachfolger wird Erwin Erdlen. Frau Erdlen erteilt nebenberuflich Unterricht in Handarbeit und Werken
  • Einführung einer dritten Sportstunde ab der 6. Klasse
  • Fremdsprachenwahlunterricht neben Englisch, Französisch und Italienisch nun auch Russisch und Spanisch
  • Erneuerung der Fassade des Schulgebäudes
  • Einrichtung des Theaterzuschauerraums durch Elternspende
1966
  • Theologische Diskussionsabende zusammen mit dem Sophie-Scholl-Gymnasium
  • „Missionstag“ für evangelische Schüler
  • Ein Brennofen für Emaillearbeiten wird angeschafft
  • Preis beim Festival der jungen Filmer in Braunschweig für unsere Schulfilmgruppe für den Film „Allegro assai“
  • Gründung einer Volksmusikgruppe
  • Theatergruppe spielt zu Dr. Voits 60. Geburtstag Max Mells „Sieben gegen Theben“
  • Erstmals ein Seminar in Chemie bei Dr. Weigand
  • Schulbühne spielt Nestroys „Lumpazivagabundus“ mit Gastspiel im Gymnasium Traunreut
  • SMV organisiert zur Notstandsgesetzgebungsdebatte Diskussionen mit ASTA und SDS
1967
  • Das „Max“ erhält neue Fenster
  • Gründung des AK Philosophisches Denken
  • Kunst wird Vorrückungsfach
  • Wieder große nationale Erfolge der Foto- und Filmgruppe
  • Aufführung von Goldonis “ Ein Diener zweier Herren“
  • Auftritt der Theatergruppe bei der Tagung des Deutschen Germanistenverbandes in Bad Godesberg mit „Szenen aus dem Drama der Weltliteratur: der andere“
  • Studientagsthema: „Wien – Portrait einer Stadt“
  • Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Politik“
  • Erstmals Chemieübung
  • Hubert Schwerd wird Landesberater für Leibeserziehung
  • Geplanter Ausbau des Dachgeschosses wird aus feuerpolizeilichen Gründen zurückgestellt
  • Das Schulforum wird eingerichtet
  • Dr. Kugler, der ständige Stellvertreter des Schulleiters, geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Dr. Frank
1968
  • Tod von Amtsmeister Max Adam, dem Hausverwalter von 1945-1966
  • „Einweihung“ der neugestalteten Schulbühne mit Goldonis “ Ein Diener zweier Herren“
  • Aufführung der Schulbühne von Nestroys Posse „Höllenangst“
  • Dr. Klaus Westphalen kommt aus Auslandsschuldienst in Südwestafrika ans „Max“; Dr. Arnold wird ans Kultusministerium als Leiter der Informationsschriften berufen
  • Handarbeit bleibt nur noch Pflichtfach in den unteren beiden Klassen
1969
  • Erster und einziger Leistungszug (Abitur in 8 Jahren) beginnt in der 6. Klasse
  • Romfahrt der K 13
  • Dreiwöchiger Schüleraustausch mit Schottland
  • Orchesterwoche auf Burg Feuerstein
  • Erster sportlicher Schulvergleichskampf zwischen Max- und Wilhelmsgymnasium
  • Faschingsspiel der Theatergruppe „Pantalones Hochzeit“
  • Dr. Westphalen geht ans ISP
  • Fertigstellung des neuen Fotolabors im Dachgeschoss
  • Schulbühne spielt Holbergs „Ulysses“
  • Die SMV rebelliert gegen „Pseudodemokratie“ an der Schule und bildet den sog. „Neunerrat“
1970
  • Der Elternbeirat plant, die Sprachenfolge am „Max“ zu lockern und Russisch oder Französisch einzuführen, evtl. Durch Verzicht auf zwei Wochenstunden bei den alten Sprachen. Nach Diskussion mit den Lehrern wird die Idee wieder fallen gelassen
  • GP Dr. Happ geht ans ISP, führt aber sein Seminar noch zu Ende, StD Hubert Schwerd wird Fachberater für Leibeserziehung
1971
  • Große Schwierigkeiten mit Lehrerversorgung in Mathematik
  • Aus Raummangel werden drei 6. Klassen auf zwei mit 41 und 42 Schülern zusammengelegt
  • Schüler identifizieren sich mit dem „Max“-eigenen Kurssystem der Oberstufe, der Alternative zur geplanten Kollegstufenreform
  • Der Trickfilm „ABC“ erhält einen Preis der Schulphotographie auf Bundesebene
  • „Versuch 1“, eine Zusammenarbeit von Filmgruppe und Musik, wird bei der Photokina 72 prämiiert
  • Ein Behelfsmusiksaal im Dachgeschoss wird in Eigenarbeit hergerichtet
  • Wegen Verzögerung der Bebauung auf dem Tattersallgelände findet der Sportunterricht weitestgehend in der Vereinsturnhalle des MTSV Schwabing, der Schwimmunterricht im Nordbad statt
  • Die Schulspielgruppe bietet Eichendorffs „Freier“ und Tschechows „Heiratsantrag“
  • Schottlandfahrt der 11a
  • Neuer Schularzt diagnostiziert bei 44,2% der Schüler Haltungsschäden (Landesdurchschnitt 20-25%). Forderung nach einem orthopädischen Sonderturnen
  • 15 russische Lehrer besuchen das „Max“ auf Einladung des Goetheinstituts
  • Dr. Voit geht in den Ruhestand