Dr. Ludwig Hasenclever

Dr. Ludwig Hasenclever (1938-1944)

Dr. Ludwig Hasenclever Nachfolger Dr. Kemmers wurde der am 26.12.1881 geborene bisherige Leiter des Gymnasiums mit Realschule in Pasing, Dr. Ludwig Hasenclever, der dem Maximiliansgymnasium bereits als Mitglied des pädagogischen Seminars und als Assistent von 1907 bis 1909 angehört hatte. Danach war Hasenclever Lehrer am Alten Gymnasium in Würzburg, wo er über die Schule hinaus am kulturellen Leben der Stadt teilnahm und sich insbesondere in der Erwachsenenbildung engagierte, und bis zu seiner Versetzung nach Pasing Leiter des Gymnasiums in Ludwigshafen.
Die Neuordnung des höheren Schulwesens im „Gesetz zur Regelung von Erziehung und Unterricht“ aus dem Jahr 1938 gefährdete stark das humanistische Gymnasium, da es diese Schule nur noch als Nebenform vorsah gegenüber der Hauptform mit nur zwei Sprachen, Latein und Englisch. Der Unterricht in den alten Sprachen wurde zugunsten von Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Sport gekürzt, Latein von 63 auf 35, Griechisch von 36 auf 30 Wochenstunden, was, so das Ministerium, durch Heranziehen guter Übersetzungen kompensiert werden sollte. In der Folge verringerte sich drastisch die Zahl der rein humanistischen Gymnasien in Bayern (darunter alle Mädchenschulen) von 50 auf 29, in München von fünf auf drei.
Bei Kriegsbeginn wurde das Maximiliansgymnasium in ein Lazarett verwandelt. Die Schüler kamen zunächst im benachbarten Alten Real-, dem heutigen Oskar-von-Miller-Gymnasium, unter, wobei, wie schon im 1. Weltkrieg, im wöchentlichen Wechsel halbtägig unterrichtet wurde. Direktorat und Sekretariat blieben im Gebäude an der Morawitzky-Straße. Im gemeinsamen Schulhof von „Max“ und „Oskar“ wurde ein riesiges Wasserbecken für Löschzwecke angelegt. Bald war ein geregelter Unterrichtsbetrieb wegen häufiger Fliegeralarme, Ernteeinsätze und Kohleferien überhaupt nicht mehr möglich. Die Schülerzahl sank auf unter 400. Die meisten Schüler der unteren vier Klassen siedelten mit ihren Lehrern ins Kinderlandverschickungslager nach Garmisch-Partenkirchen um. Die durch Einberufungen stark geschmolzenen drei oberen Klassen wurden auf die Münchner Schulen verteilt. Am Maximiliansgymnasium blieben nur noch die mittleren Klassen, die zum großen Teil als Flakhelfer eingesetzt wurden. Bei einem Fliegerangriff wurde unsere Schule stark zerstört: Das Dachgeschoss des Nordbaus brannte vollständig aus, das übrige Dach wurde stark beschädigt, sodass Regen und Schnee ungehindert bis ins Erdgeschoss eindringen konnten. Nach Kriegsende wurden für mehrere Wochen Ausländer verschiedener Nationalität einquartiert, die infolge der bitteren Kälte den größten Teil der Inneneinrichtung verheizten, den Rest nahezu vollständig unbrauchbar machten. Nur die Bibliothek, in Kisten verpackt, sowie die meisten physikalischen Apparate und die Naturaliensammlung wurden gerettet.
Der vorerst letzte gedruckte Jahresbericht des Schuljahres 1940/41, das um ein Trimester verlängert wurde, brachte eine erste lange Liste der gefallenen Schüler und Lehrer. Wegen gesundheitlicher Probleme musste Dr. Hasenclever im Herbst 1944 in den Ruhestand treten, den er allerdings nur noch 1 ½ Jahre genießen konnte.
Am 16. April 1946 starb er und wurde am Münchner Nordfriedhof unter großer Teilnahme von Lehrern und Schülern begraben.

1938
  • Die dritte Fremdsprache Französisch wird nur noch in der 7. Und 8. Klasse unterrichtet
  • Dr. Wilhelm Lermann wird nach 38 Jahren am „Max“ pensioniert

Die Neugestaltung des höheren Schulwesens greift:

  • Das humanistische Gymnasium bleibt zwar erhalten, Latein allerdings wird in der 1. Klasse in der Wochenstundenzahl von acht auf sechs gekürzt
  • Religion wird nicht mehr im Zeugnis benotet
  • März 38: Eine Abordnung des Reichserziehungsministeriums studiert am Maximiliansgymnasium den bayerischen Musikunterricht
  • Studienassessor Pickel bietet Modellieren und Segelflugmodellbau an
  • 426 Knaben und neun Mädchen gehören den NS-Jugendformationen an
  • Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland (Beauftragter Max Leitschuh) sammelt eifrig Spenden und erhält als Preis für das beste Ergebnis an den bayerischen Schulen einen Rundflug über München
1939
  • Der Jahresbericht erscheint „der Zeitverhältnisse wegen in verkürzter Form“
  • Max Leitschuh geht als Vertreter des Schulleiters nach Pasing
  • 6.11.1939: 90-Jahr-Feier der Schule
  • Kälteferien: Einstellung des Schulbetriebs mangels Heizmaterials von Februar bis April
1940
  • Wegen vorzeitiger Einberufung in den Kriegsdienst erhalten 49 der 70 Abiturienten den vorläufigen Reifevermerk
  • Das Schuljahr wird um ein Trimester verlängert: neuer Schuljahresbeginn ist (wieder) im Herbst
  • Einführung der Erntehilfen
  • 14 Schüler sind bereits gefallen
  • Neuer Lehrplan und neue Stundentafel: Kürzung von Latein in der 4. Klasse von 7 auf 4 Wochenstunden, in Griechisch von 6 auf 5, dafür 4 statt bisher 3 in Deutsch, 3 in Geschichte statt 2 und 2 in Kunst statt 1
  • Neue Pflichtfächer: Physik mit zwei Wochenstunden und Musik mit einer Wochenstunde
  • Ab September wird das Maximiliansgymnasium,wie im 1. Weltkrieg, Lazarett: Unsere Schüler werden mit Schichtunterricht am „Oskar“ untergebracht
1941
  • Jahresbericht nicht erschienen
1942
  • Jahresbericht nicht erschienen
  • Die Klassen 1- 4 werden mit ihren Lehrern wegen der häufigen Luftangriffe ins Kinderlanderziehungsheim Garmisch-Partenkirchen verlegt
  • Schwere Schäden durch Bombardierung: Das Dachgeschoss des Nordbaus brennt völlig aus
1943
  • Jahresbericht nicht erschienen
1944
  • Jahresbericht nicht erschienen
  • Nach Kriegsende werden Ausländer verschiedener Nationalität einquartiert. Große Schäden an der Einrichtung
  • Wiederaufnahme des Schulbetriebs am 12.12.1945 mit 250 Schülern und 6 Lehrkräften „bei 10 Grad Kälte und ohne Heizung“
1945
  • Jahresbericht nicht erschienen