Dr. Nikolaus Wecklein

Dr. Nikolaus Wecklein (1886-1913)

Dr. Nikolaus WeckleinDr. Nikolaus Wecklein war der erste Franke als Leiter des Maximiliansgymnasiums. Geboren wurde er 1843 als Sohn eines Landwirts in Gänheim bei Karlstadt a. M. Nach kurzem Privatunterricht beim Dorfpfarrer besuchte er das Gymnasium in Münnerstadt bis zum Abitur. Von 1861 an studierte er Philologie in Würzburg und München und promovierte mit „summa cum laude“. Nach einer kurzen Lehrtätigkeit am Münchner Wilhelms- und Ludwigsgymnasium zog es ihn 1868 wieder an die Universität, diesmal nach Berlin, zurück.
Von 1869 bis 1873 war Wecklein Studienlehrer am Maximiliansgymnasium und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, habilitierte sich aber gleichzeitig als Privatdozent an der Münchner Universität.
Über die griechische Tragödie schrieb er zahlreiche Werke und Abhandlungen. Schon als Studienlehrer übernahm er deshalb die Dramenlektüre der Oberklasse, eine große Ausnahme in dieser Zeit. Nach erfolgreichen Jahren als Rektor am Gymnasium in Passau wurde dem 43-jährigen am 2. Mai 1886 die Nachfolge des mitten im Schuljahr im Amte verstorbenen Anton Linsmayer übertragen. 27 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung mit 70 Jahren im Jahre 1913 leitete Dr. Wecklein seine Schule durch eine bewegte Zeit.
In seinen Amtsjahren änderte sich stark die Klientel seiner Schule, die gelegentlich bei Neidern als „plutokratisch“ galt, weil sie vor allem von höheren Schichten bevorzugt wurde, was aber, so der Rektor, mit der Lage des Gebäudes in der Nähe der Universität und im damals von höheren Schichten bevorzugten Münchner Norden zusammenhing.
Wecklein hatte das humanistische Gymnasium vor allem gegen den alten „Realismus“, der 1864 zur Gründung von vier Realgymnasien in Bayern, u.a. Dem späteren Oskar-von-Miller-Gymnasium, geführt hatte, und gegen die neue materialistische Weltanschauung zu verteidigen, die nach dem wirtschaftlichen und politischen Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts um sich griff. In dieser Folge drohten die glänzenden Erfolge der Naturwissenschaften in Deutschland die Stellung der alten Sprachen zurückzudrängen, was durch den entschiedenen, aber auch selbstkritischen Einsatz bedeutender, modernen Methoden aufgeschlossener Altphilologen, u.a. Auch Weckleins, in der neuen kaiserlichen Schulordnung für ganz Deutschland von 1890 im Großen und Ganzen verhindert wurde: Latein verlor zwar 7 Wochenstunden, das Stundenkontingent für Griechisch aber blieb erhalten. Dr. Wecklein verfasste nach Inkrafttreten der neuen Schulordnung zahlreiche Textausgaben der meistgelesenen griechischen Tragödien, die dem neuesten Stand der Textkritik und der wissenschaftlichen Forschung entsprachen und auch in außerbayerischen Schulen verwendet wurden. Daneben schrieb er zahlreiche Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften zu fachlichen und pädagogischen Fragen.
Er zog Lehrer von hohem wissenschaftlichen und pädagogischen Ruf an seine Schule, u.a. Dr. Wilhelm Geiger, der 1891 Professor für indogermanische Sprachwissenschaft in Erlangen, den Mathematiker Dr. Anton von Braunmühl, der später Professor an der TH in München wurde. In Weckleins Amtszeit galt das Maximiliansgymnasium als „Kaderschmiede für bayerische Ministeriale und Gymnasialrektoren“. Allein zwölf seiner Mitarbeiter wurden Schulleiter, u.a. Joseph Pfistner, der begeisterte Humanist und Schulmann und Neubearbeiter griechischer Übungsbücher (Rektor in Straubing), Dr. Johann Praun, Lehrer von 1892 bis 1909 (Rektor in Amberg, später am Wilhelmsgymnasium), Johann Niklas (Gründungsrektor des Theresiengymnasiums), Dr. Johann Melber, Lehrer am Maximiliansgymnasium von 1888 bis 1907, dann einige Jahre Rektor in Regensburg, bis er Leiter des gesamten höheren Schulwesens in Bayern wurde, Dr. August Heisenberg, der Vater Werner Heisenbergs, der als Assistent von 1894 bis 1897 unterrichtete, bevor man ihn mit der Professur für byzantinische und neugriechische Sprache an der Münchner Universität betraute, unddr. Theodor Preger (Schriftleiter der „Blätter für das bayerische Gymnasiale Schulwesen“ von 1909 bis zu seinem Tode 1911).
1898 gelang es Wecklein, ein pädagogisch-didaktisches Seminar für Altphilologen an seine Schule zu bekommen. So gewann er Einfluss auf die Ausbildung künftiger Lehrergenerationen. Auch auf die eigenen älteren Lehrkräfte sollte sich, so hoffte der rührige Rektor nicht zu Unrecht, ein solches Seminar sehr positiv auswirken, weil sie gezwungen wären, ihre eigenen Unterrichtsmethoden zu verbessern und zu modernisieren.
Wecklein legte großen Wert auf die musische Ausbildung seiner Schüler. Er führte die Maifeste an seiner Schule ein, die jeweils als Erinnerung an den Jahrestag eines Dichters oder Musikers gestaltet wurden und an denen seine Schule mit besonderen musikalischen Leistungen an die Öffentlichkeit trat, z. B. 1905 anlässlich des 100. Todestags Friedrich Schillers. Die Unzulänglichkeiten des gemieteten Gebäudes sowie überfüllte Klassen zwangen zu zahlreichen Umbauten, Modernisierungen und Improvisationen. So mussten 1906, als die Schule über 750 Schüler zählte, Klassenzimmer in der städtischen Amalienschule zugemietet werden. Eine merkliche Besserung trat erst ein, als ab 1908 die frei gewordenen Räume der Kreislehrerinnenbildungsanstalt im Damenstift genutzt werden durften.
Trotzdem drängte Wecklein mit Nachdruck auf einen Neubau der Schule, den am 23. Mai 1909 das Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten beschloss. Als Bauplatz bot sich diesmal ein Grundstück im Norden zwischen der Leopold-, Karl-Theodor- und Siegfriedstraße an, in dem zuletzt das königliche Landgestüt untergebracht war. Die Wünsche und langjährigen Erfahrungen des Schulleiters wurden beim Neubau weitestgehend berücksichtigt: Die Turnhalle sollte auch als Festsaal benutzt werden können. Weder Klassenzimmer noch Schülerübungsräume durften im Kellergeschoss eingerichtet werden. Im übrigen sei es „nicht ohne Bedeutung, wenn das Gebäude einer Bildungsstätte sich auch im äußeren würdevoll präsentiert“ (100-Jahre-Festschrift, S. 74).
Nachdem der Neubau mit Beginn des Schuljahres 1912/13 bezogen worden war, konnte Wecklein – in der Zwischenzeit 70 Jahre alt -endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Am Tage seiner Pensionierung, am 1.9.1913, wurde dem scheidenden Rektor der Titel eines Kgl. Geheimen Hofrates verliehen.
Auch im Ruhestand bis zu seinem Tode am 19.11.1926 blieb er noch intensiv mit seiner Schule verbunden. Seine letzte Ruhestätte fand er im Münchner Ostfriedhof.

1886
  • Erste Erwähnung einer Theateraufführung: Am 26. März führt der Schulleiter mit seiner Oberklasse den „Prometheus“ des Aischylos in griechischer Sprache auf
  • An Schulgeld sind monatlich 3.20 M am Gymnasium und 2.20 M an der Lateinschule zu entrichten (Ermäßigung bei Nachweis der Bedürftigkeit)
  • Die größte Klasse hat 70 Schüler
  • Dr. Wecklein wird Mitglied des Obersten Schulrats
1887
  • Die Klasse 1a fängt aus „Gesundheitsgründen“ 14 Tage später an
1888
  • „Naturgeschichte“ wird als Wahlfach eingeführt
  • Der musische Unterricht wird stetig gesteigert: zwölf Wochenstunden und sechs Kurse für 102 Schüler im Violin-, drei Wochenstunden für neun Schüler im Violoncello- und elf Wochenstunden bei fünf Kursen für 148 Schüler im Gesangsunterricht
1889
  • Das Fach „Naturgeschichte“ wird als Botanik und Tierkunde angeboten
  • Religion wird wieder schriftliches Abiturfach
1890
  • Das Schulgeld wird fast verzehnfacht: Es kostet nunmehr 30 M in den drei unteren, 36 M in den drei mittleren und 40 M in den drei oberen Klassen
1891 Die neue Schulordnung Kaiser Wilhelms II. Tritt in Kraft:

  • Latein verliert die 7. Wochenstunde in jeder Jahrgangsstufe
  • Die Übersetzung ins Griechische im Abitur mit der Möglichkeit, ein Wörterbuch benutzen zu dürfen, wird abgeschafft
  • Je zwei Wochenstunden Pflichtunterricht in Physik und Französisch
  • Die philosophische Propädeutik fällt weg
  • Die Kalligraphie wird eingeschränkt
  • Naturkunde wird Pflichtfach in der 2. Bis 5. Klasse, Zeichnen in der 2. Und 3. Klasse
  • Es gibt keine Hauptfächer mehr
  • Neue Versetzungsrichtlinien: Pflicht zur Wiederholung der Klasse bei ungenügenden Leistungen in zwei Fächern, wobei alle Pflichtfächer gleich zählen
  • Abgeschafft werden Hausarrest und Nachprüfungen
  • Die Lateinschule wird ins Gymnasium integriert
  • Aus Studienlehrern werden Gymnasiallehrer
  • Das 9. Schuljahr wird eingeführt
  • Der Pedell wird zur Mitwirkung an der Schulzucht herangezogen: Er soll die Schüler auch auf der Straße beobachten und „unerlaubten Wirtshausbesuch anzeigen“
  • Die naturwissenschaftliche Sammlung wird durch Dotationen von Lehrern und Ehemaligen stetig vergrößert
  • Teilnehmer des 41. Philologentages spenden der Schule 900 DM
1892
  • Zum ersten Mal werden im Schülerverzeichnis die Geburtsdaten genannt
  • Zum ersten Mal gibt es drei Eingangsklassen
  • Die 757 Schüler werden von 29 Lehrern, drei Assistenten und sechs „Nebenberuflern“ unterrichtet
1893
  • Die naturwissenschaftliche Sammlung erhält aus dem Doubletten-Vorrat der zoologischen Staatssammlung acht Säugetiere und 36 Vögel
1894
  • Dr. August Heisenberg, Vater von Werner Heisenberg, wird Assistent am Maximiliansgymnasium
  • Lehrer Joseph Kögel wird öffentlich geehrt wegen Errettung eines Achtjährigen vor dem Ertrinken, ebenso der Sechstklässler Arnulf Prinz für Beihilfe bei der Rettung einer Frau
1895
  • Dr. Heisenberg erhält 1 Jahr Urlaub
  • 25-Jahr-Feier des Friedensschlusses von 1871: 116 Maxschüler erhalten Freikarten für die Festvorstellung „Iphigenie auf Tauris“ im Residenztheater
  • Die Schule erhält erstmals ein Telefon
  • Nie wieder erreichte Höchstzahl bei der Einschreibung: 147
1896
  • 11.4.1897: Dr. Heisenberg wird Studienlehrer in Lindau
  • Dr. Heinrich Zimmerer wird für eine Forschungsreise nach Kleinasien beurlaubt
  • Schüler des Maximiliansgymnasiums erhalten vom König Freibillette für das Residenztheater zur 100-Jahr-Feier Platens
1897
  • Von den 789 Schülern sind 494 römisch-katholisch, 255 protestantisch, 26 israelitisch, 9 altkatholisch, 2 apostolisch, 1 griechisch-orthodox und 1 mennonitisch; 1 Schüler ist konfessionslos
  • Ernst Röhm, späterer einflussreicher nationalsozialistischer Politiker und „Stabschef“ der SA, der wegen eines angeblichen Putsches gegen Hitler (sog. „Röhm-Putsch) 1934 in Stadelheim erschossen wird, kommt in die 1. Klasse
1898
  • 25.10.1898: Die Schule erhält zum ersten Mal ein Pädagogisches Seminar mit sechs Teilnehmern
  • 12. Mai: 50-Jahr-Feier in Verbindung mit dem traditionellen Maifest mit Festgedicht „Unsere Namenshelden“; auch das Theresiengymnasium feiert das Maximiliansgymnasium
1899
  • Ehemalige Schüler der Anstalt bestimmen ihre früheren Schulbücher zur Verwendung für arme Schüler.
  • Die Rechtschreibreform ist im Jahresbericht noch nicht berücksichtigt
1900
  • Karl Heffner, Chordirektor und Gesanglehrer, stirbt mit 49 Jahren an Lungenentzündung nach „überstandener Influenza“.
  • Professor Ebers vermacht seine Bücher der Schulbibliothek
1901
  • Maifest im Kaimsaal zu Ehren des vor hundert Jahren gestorbenen Dichters Johann Nepomuk Vogl
  • Der Privatier Julius Adler stiftet einen Kormoran, Dr. Nobiling, ein ehemaliger Schüler, eine wertvolle Konchyliensammlung
  • Zum ersten Mal zwei Abschlussklassen
1902
  • Acht „private“ Mädchen machen Abitur
  • Dr. W. Lermann erhält ein einjähriges archäologisches Reisestipendium
  • Zu Weihnachten spendet ein Lehrer 20 RM für arme Schüler
  • Amtsarzt Dr. Adolph Müller besichtigt die Räumlichkeiten und begutachtet die hygienischen Verhältnisse
1903
  • Domkapitular Neudecker visitiert als erzbischöflicher Kommissär den Religionsunterricht
  • Staatsminister Dr. Von Wehner besucht die Schule
1904
  • Zum ersten Mal erhält die Schule wieder (nach den Jahren 1851-1855) mit Dr. Benedikt Rothlauf einen Konrektor
1905
  • Ein ehemaliger Schüler finanziert geographische und naturwissenschaftliche Exkursionen für „unbemittelte“ Schüler
  • Die Schule erhält 25 bayrische Fürstenbilder, „ein vortreffliches Unterrichtsmittel“
  • Zum ersten Mal werden im Personalstandsverzeichnis der Pedell (Johann Gießübel, Inhaber der goldenen Medaille des Verdienstordens der bayerischen Krone und der Kaiser-Wilhelm-Erinnerungsmedaille) und der Schuldiener (Johann Eberle) genannt
  • Ernst Röhm macht Abitur
1906
  • 12 privat studierende Fräulein unterziehen sich dem Abitur
  • Dem Vorbild von Rechtsanwalt Gotthelf nacheifernd, werden mehrere Stipendien für bedürftige Schüler gegeben, u.a. 20 RM von Dr. Philipp Stumpf, einem ehemaligem Lehrer des Maximiliansgymnasiums und jetzigem Rektor in Burghausen
1907
  • 10.10.1907: 25. Rektoratsjubiläum von Dr. Wecklein
  • Im Testament überlässt Rechtsanwalt Julius Gotthelf eine Stipendienstiftung von 1000 M für bedürftige Schüler am Maximiliansgymnasium (erstes privates Stipendium, das in Zukunft viele Nachahmer findet)
1908
  • 23.5.1909: Der Neubau des Maximiliansgymnasiums wird vom Staatsministerium beschlossen
  • Gyp Stählin wird Universitätsprofessor in Würzburg, vier Lehrer werden Konrektoren in verschiedenen Gymnasien Bayerns
  • Rektor Wecklein erhält die Ludwigsmedaille, Abteilung Wissenschaft und Kunst
  • Xaver Schattenfroh ist neuer Pedell
  • Zum ersten Mal wird ein Offiziant erwähnt: Stephan Kleinhenz
1909
  • Archäologisches Reisestipendium und Beurlaubung für Dr. Wilhelm Elsperger
  • Domkapitular Werthmüller besucht den katholischen Religionsunterricht
  • Zahlreiche ehemalige Schüler schenken Schulbücher für die Armenbibliothek
1910
  • Der Neubau von Maximilians- und Realgymnasium im Jugendstil an der Karl-Theodor-Straße beginnt unter der Leitung von Bauamtsassessor Höpfel
  • Violoncellolehrer Prof. Joseph Werner erhält für 50-jährigen Dienst die Ehrenmünze des Ludwigsordens
  • Einjährige Beurlaubung für Dr. Preger zur Bearbeitung eines neuen Katalogs der griechischen Handschriften in der Staatsbibliothek
1911
  • Werner Heisenberg tritt in die 1. Klasse des Gymnasiums ein
  • 18.12.1911: Dr. Preger stirbt
  • Dr. Philipp Stumpf wird Rektor des Wittelsbacher Gymnasiums
  • Konrektor Benedikt Rothlauf, Komtur des spanischen Ordens Isabellas der Katholischen, erhält die Prinzregent-Luitpold-Medaille in Silber mit der Krone
  • Das Staatsministerium genehmigt 43 000 M für Schulbänke, Möbel und Projektionsapparate, aus der Gemäldegalerie Schleißheim werden Ölgemälde zur Ausschmückung der Amtsräume und des Lehrerzimmers überlassen
1912
  • Umzug in die neue Schule an der Morawitzkystraße
  • Feierliche Einweihung am 6.12.1912
1913
  • 3.3.1913: Prinzregent Ludwig von Bayern besucht das „Max“
  • Werner Heisenberg, Schüler der 2A, begrüßt Prinzregent Ludwig mit einem Gedicht