Dr. Johann Georg Beilhack

Dr. Johann Georg Beilhack (1856-1864)

Dr. Johann Georg BeilhackDr. Johann Georg Beilhack, geboren 1802 in Ruhpolding, führte die Schulleitung bereits kommissarisch, als sein Vorgänger zur Neubearbeitung seines griechischen Übungsbuches beurlaubt wurde. Beruflich gesehen hatte er eine ziemlich chaotische Biographie: Er lernte zunächst das väterliche Handwerk eines Tischlermeisters, war dann ein Jahr Köhler, bevor er von 1818-1823 das Gymnasium besuchte. Im ersten Universitätsjahr studierte er zunächst mit der Medizin in Landshut, bevor er ins philologische Seminar Thierschs überwechselte, das er gerade zu der Zeit mit Note „sehr gut zu vorzüglich“ abschloss, als sein Vorgänger im Amte ins Thierschsche Seminar eintrat.
Nach vier Jahren als Hofmeister beim Forstmeister in Tegernsee wurde Beilhack 1830 Praeceptor (ein wenig anerkannter und minderbezahlter Vorbereitungslehrer) in München, fünf Jahre später Professor in Landshut, bevor er an das Wilhelmsgymnasium in München überwechselte. 1842 wurde er Rektor der Münchner Lateinschule, 1849 erster Lehrer der III. Gymnasialklasse und Konrektor am Maximiliansgymnasium. Seinen Doktortitel hatte er sich, wie er selbst schreibt, von der Universität Erlangen gekauft, weil er sich, als er 1831 heiratete, schämte, nur ein „Vorbereitungslehrer“ zu sein. Nebenamtlich bekleidete er die Stelle eines Repetitors an der Kgl. Pagerie, wofür ihm die Regierung wiederholt ihre vollste Anerkennung aussprach. Für seine Verdienste erhielt Beilhack 1848 den Verdienstorden vom hl. Michael. Im gleichen Jahr wurde er nebenamtlich Hoftheaterintendant und „Comité-Mitglied zur Prüfung der neu eingelaufenen Bühne-Novitäten“. 1849 bewarb er sich um die Rektoratsstelle des Wilhelmsgymnasiums mit dem Zusatz im Bewerbungsschreiben, „wenn die Stelle einem Verdienstvolleren gegeben werden müsse, ihm eine obere Gymnasialstelle zuteil werden zu lassen, jedenfalls ihn vom Rektorat der Lateinschule zu entheben“ (100-Jahre-Festschrift, S. 40). Daher wurde er auch nicht Gründungsrektor des Maximiliansgymnasiums, weil das Kultusministerium schlussfolgerte, „dass ein Mann, welcher der Last eines Rektorats sich enthoben zu sehen sehnlichst wünsche, um ein anderes, nicht minder schwieriges sich nicht bewerben wolle“ (100-Jahre-Festschrift, ebd.). Ausschlaggebend für die Ablehnung seiner Bewerbung scheint aber seine politische Haltung im Revolutionsjahr 1848 gewesen zu sein, die ihm den Ruf eines Demokraten einbrachte, was er später durch auffallend starke Betonung seiner monarchischen Gesinnung vor allem in den Schlusssätzen seiner Jahresberichte wettmachen wollte. Als Lehrer legte er sein Schwergewicht auf das Fach Deutsch, dessen Eigenständigkeit er gegenüber den alten Sprachen betonte und dem er durch geschickte Literaturauswahl ein deutliches Profil zu geben versuchte. Entschieden setzte er sich dafür ein, dass die Klassenlehrer auch das Fach Geschichte unterrichten dürfen, was bislang ja den Geistlichen beider Konfessionen vorbehalten war. Am 21. Oktober 1864 starb er im Alter von 62 Jahren, mitten im neuen Schuljahr.

1.10.1856: Amtseinführung von Dr. Beilhack als Rektor durch Regierungs-Schulreferent Karl Eggert

1857
  • Von 43 Bewerbern für die erste Lateinklasse bestehen nur 27
  • Rektor Beilhack bedankt sich bei den Pfarrern von Unserer lieben Frau und St. Peter für die „aufopfernde Bereitwilligkeit“, den Schülern die Beichte abzunehmen
  • Der Officiator (Katholische Religionslehrer) der Schule ist gleichzeitig Landtagsabgeordneter
  • Stipendien und Pfisterbrote (2158 Stück werden verteilt!) sind für die armen Schüler immer wichtiger
  • Auch Gottesdienste am Namenstag des Königs (12.10.), Am Geburtstag der Königin (15.10.), Am Geburtstag des Königs (28.12.) sind Pflicht
  • Die Jahresberichte enden mit: „Gott segne den König und das ganze Königliche Haus! Bayern über alles“
1858
  • Der Turnunterricht an der kgl. Öffentlichen Turnschule wird als Wahlfach eingeführt, ebenso der Schwimmunterricht in der Militärschwimmschule
  • Michael Heumann, Lehrer am Maximiliansgymnasium von 1856-1876, wird seit 1858 wiederholt mit der Überprüfung der schriftlichen Abituraufgaben sämtlicher Gymnasien in Bayern betraut und in die Kommission zur Prüfung für das Lehramt an den Studienanstalten berufen
1859
  • Rektor Beilhack fordert einen eigenen Turnplatz aus pädagogischen und moralischen Gründen: Der Weg sei zum Sendlinger Tor zu weit, die Kinder würden ihren Eltern dadurch zu lange entzogen und: „Wer schickt sie (die Kinder) in der Fastnachtszeit in jenen Stadtteil, wo die demi-monde ihre Bälle hält?“ (100-Jahre-Festschrift, S. 42)
1860
  • Der Maxlehrer Dr. Wilhelm von Christ wird Konservator des Antiquariums und a.o. Professor an der Münchner Universität, später Mitglied des obersten Schulrates und Ministerialkommissär bei den Abiturprüfungen (damals Absolutorialprüfungen genannt)
1861
  • Turnen wird Pflichtfach, die Unterrichtsstunden dürfen aber erst ab 5.00 Uhr nachmittags gegeben werden, im Sommer wegen der Hitze noch später
  • Der häufig erkrankte Rektor Dr. Beilhack wird durch Prof. Hermann Müller, stprof. Heumann und Dr. Spengel vertreten
1863
  • Die erste Lateinklasse wird immer größer (70 bis 80 Schüler), kann aus Raummangel aber nicht geteilt werden
  • 10.3.: König Maximilian II. stirbt
1864
  • Mit 245 Schülern absoluter Tiefststand bei der Gesamtzahl der Schüler aller Gymnasialklassen
  • 21.10.1864: Rektor Dr. Beilhack stirbt im Alter von 62 Jahren
  • Anton Linsmayer wird Rektor, zunächst auf Widerruf, endgültig ab 13.5.1865
  • Erstmals Schülerverzeichnis ohne Einzelnoten im Jahresbericht